Historischer Roman,  Klassiker,  Rezension,  Summer Reading Challenge 2018

Ernest Hemingway – Der alte Mann und das Meer

Hook ‘Em: Read a book that features fishing or fishermen.

„Wenn ein Prosaschriftsteller genug davon versteht, worüber er schreibt, so soll er aussparen, was ihm klar ist. Wenn der Schriftsteller nur aufrichtig genug schreibt, wird der Leser das Ausgelassene genauso stark empfinden, als hätte der Autor es zu Papier gebracht. Ein Eisberg bewegt sich darum so anmutig, da sich nur ein Achtel von ihm über Wasser befindet.“

Ernest Hemingway war großer Verfechter seines Eisbergmodells, was sich in zahlreichen seiner Geschichten widerspiegelt. Dass nicht jeder Leser diese Meinung teilt, wird klar, sobald man sich auf beliebigen Webseiten Reviews zu „Der Alte Mann und das Meer” (Im Original „The Old Man and the Sea”) durchliest. Oberflächlich gesehen geht es in der Novelle aus dem Jahr 1952 um einen alten kubanischen Fischer namens Santiago, der nach 84 Tagen ohne Fang erneut aufs Meer hinauszieht, um sein Glück zu versuchen. Statt einen weiteren Tag voll Pech auf See zu verbringen, beißt tatsächlich ein Fisch an, ein gigantischer Marlin, den Santiago mit allen Mitteln zu fangen versucht und damit bis an sein Äußerstes geht.

Eine simple Geschichte, erzählt in einfacher, sauberer Sprache, bei der sich alles Wesentliche unter der Oberfläche abspielt. Hemingways präzise Sprache lässt hier kein überflüssiges Wort zu, alles hat seine Bedeutung – und oftmals mehrere.

Santiago ist kein vielschichtiger Held, sondern steht für die typisch männlichen Eigenschaften, die Hemingway als erstrebenswert erachtet: Durchhaltevermögen, Optimismus selbst in den aussichtslosesten Situationen und die Ehre, die der Kampf, der Sieg und die Niederlage mit sich bringen. Besonders die Niederlage steht hier im Vordergrund, denn Santiago ist schließlich ein alter Mann: seine besten Jahre hat er lange hinter sich, und nach 84 Tagen ohne Fang nimmt er Abstruses auf sich, um sich zu beweisen.

Es ist sicherlich kein Zufall, dass „Der Alte Mann und das Meer” Hemingways letztes Werk vor seinem Tod im Jahr 1961 war und heute zu einem seiner bekanntesten zählt. Schüler, die im Unterricht zu dieser Lektüre gedrängt werden, wird „Der alte Mann” wahrscheinlich kalt lassen. Wer sich aber auf abstrakte Klassiker einlassen kann und es genießt, sich Parabeln zu erschließen, für den wird dieser Ausflug in den Golf von Mexiko sicherlich ein Genuss werden.

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https://www.youtube.com/watch?v=wTdiUZlErXg

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