1/5,  Gegenwartsliteratur,  Rezension,  Summer Reading Challenge 2018

Bernhard Salomon – Die Formel des Lachens

Sick Day: Read a book you were supposed to read in school but didn’t.

Douglas Bone ist das Nesthäkchen seiner Familie. Nach seinen beiden älteren Geschwistern hatten seine Eltern nicht mehr wirklich mit ihm gerechnet. Nicht nur in dieser Hinsicht ist Douglas eine wahre Überraschung, sondern er ist auch ganz anders als seine Geschwister. Von Anfang an hängt er in seiner Entwicklung weit hinterher und braucht viel länger um Dinge zu verstehen und zu begreifen. Viele Menschen machen sich über ihn lustig und auch seine eigene Familie, die ihn zusehends umsorgt, zweifelt etwas an ihm. Schließlich wird er auch noch vom Schulpsychologen als „dumm“ abgestempelt. Mit 16 Jahren beschließt Douglas, das idyllische Elternhaus zu verlassen. Er fängt als Hilfspförtner in einer Munitionsfabrik an und ist froh, dass ihm endlich jemand eine Chance gibt. Nach einem Zwischenfall wird er jedoch versetzt und muss nun Fließbandarbeit verrichten. Daraufhin erleidet er einen Nervenzusammenbruch. Als er beginnt das Geschehene aufzuschreiben, geschieht es: Er entdeckt die Formel des Lachens. Was diese Entdeckung noch für ihn bereit halten wird, hätte Douglas wohl niemals für möglich gehalten.

Bernhard Salomon hat in seinem Roman „Die Formel des Lachens“ von 1997 mit Douglas Bone eine tragisch-komische und dabei unerschütterlich optimistische Figur geschaffen. Douglas denkt von jedem Menschen zunächst nur das Beste und wirkt leicht naiv. Zudem nimmt er jedes Fettnäpfchen, das seinen Weg kreuzt, mit und gerät ständig in peinliche Situationen. Douglas ist aber scheinbar gar nicht so dumm, wie alle immer denken. Seine teils bizarren Gedankengänge münden oft in intelligenten Verhaltensweisen. So bringt er sich beispielsweise selbst die deutsche Sprache bei, um zu verstehen was seine deutschen Cousins während seiner Anwesenheit über ihn reden.

Zunächst erweckt der Roman den Eindruck, als wolle man eine leichte, nette Geschichte über einen Jungen erzählen, der schlichtweg nicht ernst genommen und verstanden wird. Es scheint, als wolle man Douglas dabei begleiten, wie er seinen Platz in der Welt findet. Mit der Entdeckung der Formel und der danach stattfindenden grundlegenden Wendung der Geschichte schafft Salomon es, eine komplett andere Geschichte zu erzählen. Die zuvor leichte, teils amüsante Atmosphäre wird durch ein bedrückendes Szenario stark gebrochen und gipfelt in einer Erniedrigung von Douglas. Dieser Bruch wirkt leider äußerst befremdlich. Aus dem bis dahin liebenswerten und unschuldigen Douglas wird eine skurrile Figur, die sich in Verwirrung, sexuellen Anspielungen und schließlich in vollkommener Lethargie verliert. Seine Reise und die Beschreibung einiger Nebencharaktere, wie beispielsweise die von Kopf bis Fuß nur in ein blaues Seil gewickelte Nina, erwecken den Eindruck eines Drogentrips, der außer Kontrolle geraten ist. Es gleicht plötzlich alles einem wirren Konstrukt aus Fetzen der Realität und Douglas’ Gedankenwelt. Die Grenze dabei verschwimmt zunehmend. Vermutlich wollte Salomon nur Douglas’ ganz eigene Wahrnehmung der Welt beschreiben. Vermutlich.

Zudem gibt es einige Passagen, wie beispielsweise ein Großteil von Douglas’ Odyssee in Wien, die eher wie Seitenfüller wirken und nicht wirklich etwas zu der Handlung beitragen. Bei einem 152 Seiten dünnen Roman scheint dies jedoch fehl am Platz.

Stellenweise ist der Roman recht witzig gestaltet und der scheinbare Grundgedanke der Geschichte sowie die Einbindung von Gesellschaftskritik am Beispiel der Rüstungsindustrie sind durchaus gelungen. Bis zum Schluss hat man die leise Hoffnung, dass wenigstens das Ende entschädigt, denn die Idee der Formel und der Charakter Douglas Bone bringen einiges an Potenzial mit sich. Leider weiß der Autor dieses nicht zu nutzen.

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