Gegenwartsliteratur,  Rezension,  Romantik

Nick Hornby – High Fidelity

Rob Fleming ist 35 Jahre alt, Besitzer eines Plattenladens in London und frisch getrennt, nachdem ihn seine Freundin Laura verlassen hat. Das macht ihm aber natürlich gar nichts – schließlich kann er nun wieder bequem in seiner Wohnung rauchen und seine Plattensammlung neu sortieren. Und überhaupt, auf der Liste seiner Top 5 Trennungen ist Laura ganz bestimmt nicht.

Nick Hornby zeichnet in seinen Büchern gerne Loser-Persönlichkeiten und haucht ihnen mit Witz und Charme Leben ein. “High Fidelity” ist ein leichtfüßiges, kurzes Werk, eine musikalische Reise in die männliche Gefühlswelt. Rob stolpert durch sein Leben, macht schlechte Entscheidungen am laufenden Band und urteilt währenddessen fröhlich über seine Mitmenschen, allen voran, indem er seinen überlegenen Musikgeschmack (und seine überlegenen Fähigkeiten im Bett) präsentiert. Einen unsympathischen Hauptcharakter zu haben, ist nicht unbedingt immer schlecht und kann zu interessanten Geschichten führen – Rob allerdings ist ziemlich einseitig, ambitionslos, sudelt die überwiegende Zeit in Selbstmitleid und ist auf Dauer ziemlich unerträglich. Dass die Handlung kaum voranschreitet, hilft dem wenig.

Jemand, der nicht viel mit Musik anfangen kann, wird auch nach der Lektüre keine Liebe zu ihr entwickelt haben. Zwar werden am laufenden Band Interpreten und Songs aufgelistet, diese jedoch selten kontextualisiert. Wenn man sie also vorher nicht schon kennt, wird sich einem die emotionale Verbindung, die Rob zu den Liedern hat, kaum erschließen.

Das Cover meiner Ausgabe behauptet, High Fidelity sei “a very funny and concise explanation of why we men are as we are”. Nun, wenn Männer wirklich im tiefsten Inneren so sind wie Rob Fleming, dann bleibe ich lieber für den Rest meines Lebens Single.

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