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Anneli Schinkel – Seidentochter: Ein Adoptivkind aus Korea findet seine leiblichen Eltern

Backyard BBQ: Read a book that features a family reuniting or hanging out for the summer.

„Ich bin ein Adoptivkind. Im Alter von vier Monaten von Korea nach Deutschland gebracht. Und dort wurde ich von den Eltern in Empfang genommen, die für mich bis heute meine Eltern sind und immer bleiben werden. (…) Ich wuchs in Geborgenheit auf und kann mir kein besseres Zuhause vorstellen. Und doch beschloss ich eines Tages, auf Spurensuche zu gehen.“

Anneli Schinkel wurde im Juli 1982 in Südkorea geboren und anschließend von Martina und Gerd Schinkel aus Deutschland adoptiert. Sie fand bei ihnen ein liebevolles Zuhause und verbindet heimatliche Gefühle nur mit Deutschland. Das Interesse an ihren Wurzeln stieg jedoch im Laufe der Jahre sehr an. Im Jahr 2003 bekommen sie und ihr ebenfalls aus Südkorea stammender Adoptivbruder Jannik eine Einladung zu einem mehrtägigen Seminar in Seoul für adoptierte Koreaner im Ausland. Damit eröffnet sich ihnen die Möglichkeit eine Reise nach Südkorea antreten und ihr Geburtsland besser kennen lernen zu können. Wird Anneli Antworten auf ihre zahlreichen Fragen zu ihrer Herkunft erhalten? Wie wird sie mit der ihr nicht so vertrauten Kultur zurechtkommen? Wird sie sich wie zu Hause fühlen oder eher als Fremde in einem fernen Land? Und schließlich: Wird sie ihre koreanische Familie finden und ihnen begegnen können?

Die 2007 erschienene Autobiographie von Anneli Schinkel ist sehr ansprechend gestaltet. Der Einband schimmert, passend zum Titel „Seidentochter“, in einem seidigem Weiß. Sowohl auf dem vorderen, als auch auf dem hinteren Vorsatzpapier befindet sich eine Karte von Nord- und Südkorea. Sehr hilfreich ist das kleine Verzeichnis koreanischer Wörter im Schlussteil. Zudem gibt es Auszüge aus Briefen und einige farbige Familienfotos zu betrachten, die eine persönliche Atmosphäre herstellen.

Anneli Schinkel beschreibt in dieser autobiographischen Geschichte sehr erwachsen und gefühlvoll ihre Suche, was aber zu keiner Zeit kitschig wirkt. Dabei geht sie sowohl auf Kleinigkeiten, wie ihre Angst vor der Blutabnahme für eine DNA-Analyse als auch auf die ganz großen Gefühle, wie die Sehnsucht, einmal die Hand ihrer leiblichen Mutter berühren zu können, ein. Sie beschreibt zudem sehr eindrücklich, wie einige Erfahrungen während des Seminars befremdlich auf sie wirkten, beispielsweise der stets präsente Nationalstolz der Koreaner.

Ansatzweise schildert sie das Leben als Koreanerin in Deutschland. Dabei stellt man sich als Leser jedoch die Frage, welche Probleme Auslandsadoptionen noch mit sich bringen. Ist es richtig, Kinder in einem Land aufwachsen zu lassen, in dem sie stets mit Fragen und Problemen aufgrund von Äußerlichkeiten konfrontiert werden? Wie schwer ist es, die eigene Herkunft ausfindig und für sich selbst begreifbar zu machen? Antworten auf diese Fragen kann eine solch individuelle Erfahrungsgeschichte nicht geben, lediglich Einblicke sind hier möglich.

Es ist dabei schön zu sehen, wie diese junge Frau so viel Unterstützung bei ihrer Suche erfährt. Vor allem die uneingeschränkte Hilfe ihrer Adoptiveltern sei hierbei hervorzuheben.

Eine beeindruckende und wahre Geschichte über die familiäre und kulturelle Zerrissenheit von Adoptivkindern mit einigen individuellen Einblicken in deren Gefühls- und Gedankenwelt.

Diesen Beitrag könnt ihr euch auch bei Instagram und YouTube ansehen bzw. anhören.

https://www.youtube.com/watch?v=bJLvx6WWhLI&t=4s

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