Rezension,  Summer Reading Challenge 2018,  Thriller

Sebastian Fitzek & Michael Tsokos – Abgeschnitten

The Book Is Always Better: Read a book that is becoming a movie this year.

Denn Hoffnung ist nichts anderes als eine Scherbe im Fuß, hatte sie irgendwo einmal gelesen, die ewig schmerzt, bis man sie endlich herauszieht.”

Der Rechtsmediziner Paul Herzfeld hat schon so manche Leiche obduziert und ist einiges gewohnt. Eines Tages findet er aber im Kopf einer monströs zugerichteten Leiche einen Zettel mit einer Telefonnummer. Er kann es kaum fassen, als er feststellt, dass er die Nummer kennt. Es ist die Handynummer seiner Tochter Hannah… Sofort versucht er sie anzurufen, doch er erreicht nur die Mailbox. Durch die erschreckende Ansage erfährt er, dass seine Tochter entführt wurde und nur er sie noch retten kann. So beginnt die perfide Schnitzeljagd des Entführers, der eine weitere Leiche mit Hinweisen auf Helgoland präpariert hat. Herzfeld hat allerdings keine Möglichkeit, an die wichtigen Informationen zu gelangen, da ein Orkan die Nordseeinsel vom Festland abgeschnitten hat. Bis auf wenige Menschen wurde bereits die gesamte Bevölkerung evakuiert. Unter den Verbliebenen befindet sich auch die Comiczeichnerin Linda, die die Leiche zuvor am Strand gefunden hatte. Herzfeld, der nun auf die Hilfe anderer angewiesen ist, versucht verzweifelt Linda dazu zu überreden, die Obduktion nach seinen telefonischen Anweisungen durchzuführen. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Wird Herzfeld seine Tochter noch rechtzeitig finden können? Und wer steckt eigentlich hinter der Entführung?

Der Thriller „Abgeschnitten“ des Autorenduos Sebastian Fitzek und Michael Tsokos ist im Jahr 2012 erschienen und definitiv nichts für schwache Nerven. In kurzen Kapiteln, die aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt werden, und durch gekonnte Szenenwechsel bauen Fitzek und Tsokos Stück für Stück immer mehr Spannung auf und es fällt als Leser schwer, den Roman aus der Hand zu legen. Der Schreibstil ist angenehm und flüssig, allerdings auch nichts für zarte Gemüter. Brutal und äußerst schonungslos werden die einzelnen Szenarien beschrieben. Wer bereits Werke von Fitzek und Tsokos gelesen hat, wird schnell erkennen, wer welchen Part in welchen Kapiteln übernommen hat. Hervorzuheben sind dabei vor allem die sehr eindrücklich und detailreich beschriebenen Obduktionsszenen des bekannten und angesehen Rechtsmediziners Tsokos.

Aufgrund vieler Charaktere und plötzlicher Wendungen ist es manchmal recht mühsam, dem Handlungsverlauf zu folgen. Diese Art der Darstellung ist allerdings auch interessant, da man als Leser immer mehr über die Charaktere, deren Vergangenheit und ihre Verbindungen zueinander erfahren möchte. Man baut eigene Theorien auf, nur um am Ende mal wieder unwissend da zu stehen. Denn vieles endet einfach vollkommen unerwartet und lässt den Leser für einen Moment mit offenem Mund verharren. So manche Handlung und Verhaltensweise einzelner Charaktere, vor allem zum Ende des Romans, vermag jedoch nicht vollends zu überzeugen.

Der bisher blutigste Roman des Thriller-Experten Fitzek und das erste belletristische Werk Tsokos wurde bereits verfilmt und erscheint am 11. Oktober 2018 in den deutschen Kinos. Man darf gespannt sein, ob der Film diesem äußerst spannenden Buch gerecht wird. Denn es handelt sich hierbei um eine einzigartig herrliche Mischung aus den psychischen Spielchen von Fitzek und den grandiosen rechtsmedizinischen Hintergründen von Tsokos.

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