Kurzgeschichten,  POC,  Rezension,  Weihnachten

Clementine Burnley und Sharon Dodua Otoo – Winter Shorts

People of Color sind in der europäischen Literatur und besonders in der Literatur aus Deutschland, Schweiz und Österreich stark unterrepräsentiert. Dadurch mangelt es zum einen den in den DACH-Ländern lebenden POC an Charakteren, mit denen sie sich identifizieren können, zum anderen entgeht weißen Lesern der Einblick in die besonderen Sichtweisen von POC. Beides ist wichtig – für das Selbstbewusstsein und -verständnis und um Vorurteile abzubauen.

Daher präsentieren Clementine Burnley und Sharon Dodua Otoo in Winter Shorts Kurzgeschichten von Autor*innen afrikanischer Herkunft, die in einem der DACH-Länder geboren wurden, aufgewachsen sind oder erst seit einigen Jahren hier leben.

Die 11 im Winter angesiedelten Geschichten schildern Szenen von Rassismus, Ansichten über Weihnachtsmärkte und Konsum, Unmut über das kalte Winterwetter, Beziehungsprobleme, Supportsysteme, Identität, den Umgang mit Asylbewerbern und Kolonialismus. So unterschiedlich die Autor*innen sind, so unterschiedlich sind auch die Schreibstile und Erzählperspektiven. Während die eine oder andere Geschichte nur den Schnappschuss eines Moments beschreibt, erzählen die meisten längere Handlungsverläufe, die es ermöglichen, sich in die Charaktere hineinzuversetzen und ihre Sichtweisen nachzuvollziehen.

Eröffnet wird das Buch durch eine Unterhaltung der beiden Herausgeberinnen, in der sie ihre Beweggründe reflektieren und dabei auf die einzelnen Geschichten eingehen. Den Abschluss bilden kurze Portraits der Autor*innen.

Um ein internationales Publikum zu erreichen, wurde das Buch komplett in englischer, jedoch leicht verständlicher, Sprache veröffentlicht. Dass es dadurch aber vielen deutschsprachigen Lesern vorenthalten bleibt, ist aufgrund der Thematik und der eingangs genannten Gründe besonders bedauerlich. Die Geschichten geben erhellende Einblicke in die Gefühls-, Gedanken- und Lebenswelt von in Deutschland, Österreich und der Schweiz lebenden POC, die auch in den DACH-Ländern eine möglichst große Leserschaft verdienen.

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