Gegenwartsliteratur,  Halloween,  Rezension

Erling Jepsen – Kopfloser Sommer

Nach der Trennung ihrer Eltern ist die vierzehnjährige Emilie mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder Jacob in ein altes Haus im Kopenhagener Umland gezogen. Aus dem verwilderten Garten und aus dem Fußboden dringen unheimliche Geräusche, sodass beide Kinder am liebsten sofort wieder in die Stadt ziehen und ihre Freunde treffen würden. Doch die Sommerferien haben gerade begonnen, die Freunde sind im Urlaub und im Dorf ist nichts los. So hat Emilie reichlich Zeit, gruselige Bilder zu malen, in denen ihr neues Haus und ihre kopflose Familie im Mittelpunkt stehen und die dem sensiblen Jacob jede Nacht Albträume bescheren. Als eines Abends plötzlich Anders in ihrem Garten steht, nimmt der Sommer eine andere Wendung. Er hat bis zum Tod seiner Eltern in dem Haus gewohnt und ist betroffen vom schlechten Zustand des Gartens. Schnell wird vereinbart, dass er den Garten wieder auf Vordermann bringen und solange im Gästezimmer schlafen darf. Jacob ist begeistert von ihrem Gast, doch Emilie muss entsetzt mit ansehen, wie ihre Mutter und deren beste Freundin den jungen Mann, der ihr Sohn sein könnte, anbaggern. Und irgendwas stimmt doch nicht mit Anders. Ist er einfach nur traumatisiert oder tatsächlich gefährlich? Trotz ihrer Vorbehalte übt Anders eine Faszination auf Emilie aus und so buhlt sie schließlich gemeinsam mit ihrer Mutter – aber ohne deren Wissen – um Anders’ Zuneigung.

Erling Jepsen hat offenbar ein Faible für verstörende Geschichten über dysfunktionale Familien, die aus der Perspektive von Kindern oder Jugendlichen erzählt werden. Während das in seinem fünf Jahre früher erschienenen Roman „Die Kunst, im Chor zu weinen“ noch gut funktioniert hat, ist es in „Kopfloser Sommer“ über große Strecken nur eine Mischung aus widerlich und langweilig. Ungefähr im letzten Drittel nimmt das Buch dann doch noch an Fahrt auf. Große Begeisterung kann dies jedoch nicht mehr auslösen.

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