3/5,  Graphic Novel,  izneo,  Rezension

Jirō Taniguchi – Die Wächter des Louvre

“Ich bin einfach so in Epochen eingetaucht. Mal, um Menschen zu begegnen, mal schier überwältigt von der Größe Leonardo da Vincis. Der Louvre ist ein erstaunliches Labyrinth. Ein Palast, bewohnt von Wächtern.”

S. 132; 133

Ein namenloser Mangaka verbringt nach dem Besuch eines französischen Comicfestivals noch ein paar Tage länger in Paris, um sich die vielen Museen und Galerien anzusehen. Bei seinem bereits dritten Aufenthalt in dieser beeindruckenden Stadt erhofft er sich, etwas Inspiration für seine kommenden Werke zu erlangen, doch leider überkommt ihn ein plötzliches Fieber und er ist an sein Hotelbett gefesselt. Am folgenden Tag begibt er sich zum Louvre, wo er auf die Siegesgöttin Nike höchstpersönlich trifft, die normalerweise als Skulptur den Eingangsbereich ziert. Sie führt ihn durch die Räumlichkeiten und erzählt von den “Wächtern des Louvre”, die Geschehnisse in der Kunststätte beobachten, über sie wachen, sich an sie erinnern und in einer Dimension zwischen Wirklichkeit und Traum existieren. Schon bald trifft er auf namhafte Persönlichkeiten der Kunstgeschichte und so langsam fragt sich der Mangaka, was Realität und was Fiktion ist. Befindet er sich in einem Fiebertraum, erlebt er Ereignisse vergangener Aufenthalte erneut oder hat er Zutritt zu einer schier unbekannten Welt erhalten?

Gemeinsam mit dem Verlag Futurupolis Comics veröffentlicht das Musée du Louvre regelmäßig Comicbände, die sich mit Geschichten rund um den Louvre beschäftigen. Die Wahl des japanischen Mangakas Jirō Taniguchi überraschte zunächst, da meist heimische Künstler, die sich mit dem Louvre verbunden fühlen, beauftragt werden. Doch abwegig war die gewagte Wahl bei weitem nicht, war Taniguchi doch sehr der europäischen Kunst zugetan und gilt noch heute als einer der renommiertesten Mangaka der Welt. Neben japanischen Preisen wurde er zu Lebzeiten u. a. auf dem internationalen Comicfestival in Angoulême 2003 als bester Szenarist für sein Werk “Haruka na Machi e” ausgezeichnet. Die deutsche Übersetzung „Vertraute Fremde“ wurde 2007 in Deutschland als Comic des Jahres prämiert und erhielt zudem 2008 den Max-und-Moritz-Preis als Bester Manga.

In der Graphic Novel „Die Wächter des Louvre“, die in der deutschen Übersetzung erstmals 2015 bei Carlsen erschien, entführt Taniguchi den Leser in die Welt der Kunst und geht dabei zahlreichen Fragen auf den Grund. Er zeigt beispielsweise auf, durch welche europäischen Künstler die japanische Kunst beeinflusst wurde und erzählt von den stillen Helden, die zur Zeit des Zweiten Weltkrieges unter Einsatz ihres Lebens die Kunstwerke des Louvre beschützt haben. Der namenlose Mangaka streift dabei durch den Louvre und taucht förmlich in die Kunstwerke ein. So trifft er in einem Wald auf den Landschaftsmaler Camille Carot und unterhält sich mit Vincent van Gogh in dessen Garten.

Mit einem ruhigen und langsamen Erzähl- sowie einem feinen und realistischen Zeichenstil, vermittelt Taniguchi eine angenehme Leichtigkeit in seiner lehrreichen Geschichte. Dabei stellt die Graphic Novel einen interessanten Mix aus japanischem und westlichem Stil dar: Sie ist komplett in Farbe gehalten und erscheint in der Printversion als Hardcover im Großformat, ist aber im typischen Manga-Stil gezeichnet und wird von rechts nach links gelesen. 

Bei all der optischen Begeisterung erschien mir die Geschichte leider etwas ernüchternd. Es wirkt alles oftmals wie eine reine Werbung für den Louvre – was es natürlich auch irgendwie sein soll – und die Handlung wird dabei künstlich vorangetrieben. Es gibt keine Spannungsmomente und nichts, das mich wirklich fesseln konnte. Zudem bleibt dem Leser der Hauptcharakter bis zum Schluss fremd, da er eher als reines Mittel zum Zweck dient und nur einmal einen emotionalen und privaten Moment erhält, der ihm etwas Farbe verleiht. Nichtsdestotrotz sind die Szenen von Taniguchi überzeugend und sinnvoll gestaltet. Gut gefallen hat mir noch die passende Einbindung von Kunst- und Literaturzitaten, wie beispielsweise dem folgenden Ausschnitt eines Gedichts vom japanischen Lyriker Chūya Nakahara.

“Traum. Wirklichkeit. Vision. Was seh ich dort? Welch Traum ist es, welch Liebe, die um mein Herz sich schlingt und nicht lassen will von mir?”

S. 131 [Aus “Ako yo! Ako yo!, Gedicht von Chūya Nakahara (1907-1937)]

Jirō Taniguchi hat mit “Die Wächter des Louvre” eine optisch beeindruckende Graphic Novel geschaffen und sein Können bestätigt. Auch wenn die Geschichte eher an einem vorbeizieht und neben lehrreichen Informationen nicht weiter hängen bleibt, so vermag sie eine Begeisterung für das Thema Kunst zu wecken und wahre Kunstliebhaber sicher zu bezaubern.

Bewertung 3/5

Die Wächter des Louvre” findet ihr im breitgefächerten Katalog von izneo. Dort – und auch hier im Beitrag – steht euch eine kostenlose Leseprobe zur Verfügung. So könnt ihr in den Titel sowie in die Handhabung des Webplayers hineinschnuppern. 😉 Schaut doch mal bei izneo vorbei, es ist für jeden Geschmack etwas dabei! 🙂

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