Rezension,  Sachbücher und Biografien,  Summer Reading Challenge 2018

Mary Crow Dog – Lakota Woman

Girl Power: Read a book about feminism or written by a feminist.

„Ein Volk ist unbesiegt, solange die Herzen seiner Frauen nicht bezwungen sind. Sind sie überwunden, dann ist es am Ende, wie tapfer seine Krieger und wie gut deren Waffen auch sein mögen.”

Mit diesem Sprichwort der Cheyenne beginnt der biografische Roman von Mary Crow Dog, die einem Stamm der Lakota angehört und damit eine Sioux-Indianerin ist. Sie ist im Rosebud-Reservat in South Dakota aufgewachsen, unter sehr ärmlichen Verhältnissen. Sie lebte zunächst bei ihren liebenden Großeltern, da ihre Mutter für den Lebensunterhalt der Familie in einem 100 Meilen entfernten Krankenhaus arbeiten musste. Mary hatte Glück, denn es passierte zu dieser Zeit häufig, dass Kinder unter solchen Umständen in Heimen untergebracht wurden, denn „ein WC ist für einen weißen Sozialarbeiter wichtiger als ein gute Großmutter”. Mary erzählt von Rassismus im Alltag, Missionarismus in der Schule und Bewältigungsstrategien der Jugendlichen, die vor allem mit Alkohol und Prügeleien zu tun haben. Sie beschreibt aber auch die Rolle der indianischen Frau, die zwar kulturell und auch spirituell geachtet ist, aber sich auch das Machogehabe ihrer Männer gefallen lassen muss und unter den sexuellen Übergriffen weißer Männer leidet. Sie erzählt von starken Frauen, die sich innerhalb der Stämme eine Stimme verschaffen, indem sie sich an politischen Diskussionen rege beteiligen und auch an Protestaktionen teilnehmen. Einen großen Teil der Geschichte macht die Belagerung von Wounded Knee aus, wo 1890 ein großes Massaker an den Sioux durch die 7. Kavallerie stattgefunden hatte. Mary beschreibt, welche Bedeutung diese aus der Sicht der amerikanischen Ureinwohner hat, sie erzählt, wie sie die Belagerung erlebte und wie sie ihr erstes Kind im Kugelhagel zur Welt brachte. In Wounded Knee lernte sie auch ihren späteren Ehemann Leonard Crow Dog kennen und erzählt von ihren ersten Ehejahren und Erfahrungen als Frau eines wichtigen Medizinmannes.

Aufgezeichnet wurde Marys Geschichte von Richard Erdoes, einem Österreicher, der vor den Nazis floh und sich dann der Bürgerrechtsbewegung der amerikanischen Ureinwohner anschloss. So ist er mittlerweile Autor vieler Werke über Indianer. Die Geschichte ist in 16 Kapitel aufgeteilt, die zwar an sich chronologisch angelegt sind, aber immer wieder Zeitsprünge aufweisen. Dies führt dazu, dass manches verwirrend ist oder auch doppelt erzählt wird.

Erdoes erzählt in einfachen Worten, in direktem Sprachstil. So wirkt es, als würde man als Leser mit Mary bei einer Tasse Kaffee sitzen, eine Zigarette rauchen und ihr zuhören, wie sie von ihrem Leben erzählt. Dieser Eindruck wird durch die Subjektivität der geschilderten Erlebnisse und durch einige Fotos in der Buchmitte unterstützt . Dieses Werk möchte seinen Leser teilhaben lassen an den Gefühlen und den Begebenheiten, eben dem Leben von Mary Crow Dog. Dabei wirkt die Erzählung aber nie mitleidheischend oder übermäßig sentimental.

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