Gegenwartsliteratur,  LGBT,  Rezension

Andrea Kleine – Eden

Faith und ihre Halbschwester Eden wurden als Teenager entführt. Dieses traumatische Erlebnis hat auch nach der Befreiung der beiden Mädchen alle Familienmitglieder nachhaltig beeinträchtigt und die Familie auseinandergerissen. Eden hat sich kurz nach der Befreiung aus dem Staub gemacht. Seitdem hat Faith nichts mehr von ihr gehört oder gesehen. Doch nun muss sie ihre Schwester finden, damit diese durch ihre Zeugenaussage verhindert, dass der damalige Entführer vorzeitig aus der Haft entlassen wird.

In einem alten VW-Bus begibt sie sich auf Spurensuche quer durch die USA, fährt zu den im Land verstreuten Elternteilen sowie Freunden der Familie und folgt den Hinweisen, die sie durch diese erhält. Dabei hat Faith auch reichlich Zeit, ihr eigenes, wenig erfolgreiches Leben und ihre bisherigen Entscheidungen zu reflektieren.

Der Roman „Eden“ von Andrea Kleine ist gänzlich aus der Perspektive Faiths erzählt, springt vom Haupthandlungsstrang in der Gegenwart aber immer wieder zu verschiedenen Punkten in der Vergangenheit. So erfährt der Leser Details über die etwas unkonventionelle Familie sowie über Faiths letzte große Beziehung und lernt nach und nach, was genau während der Entführung geschehen ist.

„Eden” ist eines jener Bücher, die man am liebsten laut liest, weil die Sprache so schön ist. Die einzelnen Charaktere sind aufgrund ihrer Macken und Fehler nicht unbedingt sympathisch, aber menschlich, und jede und jeder für sich ist sehr interessant und mal mehr, mal weniger tiefgehend beschrieben. Insbesondere zu Faith kann man leicht eine Verbindung herstellen. Auch wenn ein Teil ihrer Probleme ihren Ursprung in den Erlebnissen der Entführung haben, sind die meisten doch so universell, dass man sich mit ihnen identifizieren kann. Die Zeitsprünge fungieren häufig als Cliffhanger und unweigerlich fiebert man dem Ende entgegen (das dann viel zu schnell kommt), um zu erfahren, ob Faith ihre Schwester findet. So gelingt es der Autorin, ihren Leser*innen ein paar unterhaltsame Stunden zu bescheren, die womöglich sogar zur Selbstreflexion genutzt werden können.

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