Gegenwartsliteratur,  LGBT,  Rezension,  Wichteln 2018

Michael Cunningham – A Home at the End of the World

Nachdem mir “By Nightfall” von Michael Cunningham im letzten Jahr so gut gefallen hat, war es nicht wirklich verwunderlich, dass | V | mir beim Wichteln ein weiteres Werk dieses Autors geschenkt hat. “A Home at the End of the World” ist in vielen Belangen “By Nightfall” sehr ähnlich und dennoch grundverschieden.

Bobby und Jonathan verbringen ihre Kindheit zusammen. Sie sind Freunde, Brüder, vielleicht sogar ein bisschen mehr. Das Leben reißt sie auseinander und bringt sie im Erwachsenenalter wieder zusammen. In New York teilen sie sich ein Apartment mit Clare, die ebenfalls eine sehr besondere Beziehung zu den beiden Männern hat. “A Home at the End of the World” ist ein sehr introspektiver Roman, bei der die Handlung nur einen Rahmen um die Verwirklichung der Charaktere bietet. Die Figuren, realitätsnah und glaubwürdig, stehen immer im Vordergrund. Leider konnte der Funke für mich nie so ganz überspringen wie in “By Nightfall”. Besonders Clare blieb bis zum Ende für mich eher blass, wodurch mir die erste Hälfte des Romans und der Fokus auf die Beziehung von Jonathan und Bobby besser gefallen hat.

Der Schreibstil ist gewohnt zurückhaltend und doch scharfsinnig in seiner Beobachtung. Cunningham spart nicht an Sätzen, die den Leser einen Moment verweilen und nachdenken lassen. So schreibt er zum Beispiel: “Perhaps, in the extravagance of youth, we give away our devotions easily and all but arbitrarily, on the mistaken assumption that we’ll always have more to give.”

Insgesamt ist der Roman – angereichert von Themen der Liebe und Freundschaft – sowohl hochgradig melancholisch als auch, im Endeffekt, hoffnungsvoll. Dennoch ist die Entwicklung von Cunningham als Autor eindeutig. Dieser Roman, veröffentlicht 1990, erschien 20 Jahre vor “By Nightfall” – und das merkt man.

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