Rezension,  Sachbücher und Biografien

Ferdinand von Schirach – Die Würde ist antastbar

Ferdinand von Schirach ist Deutschlands wohl bekanntester Strafverteidiger. Neben seinen Erzählbänden mit Kurzgeschichten über Fälle seiner Karriere ist er vor allem für “Der Fall Collini” bekannt. V ist bei uns normalerweise der große Schirach-Fan und hat bereits einige Rezensionen zu seinen Büchern geschrieben, bei diesem hier bin ich ihr allerdings zuvorgekommen.

In “Die Würde ist antastbar” versammelte Schirach 2014 seine Essays für den Spiegel, die sich nicht nur mit dem deutschen Recht befassen, sondern auch mit dem Schreiben, dem Rauchen und privaten Erinnerungen. Die Essays sind alle in einem klaren, schnörkellosen Stil verfasst, wodurch sich das Büchlein in Verbindung mit den 144 Seiten und der recht großen Schrift leicht runter lesen lässt. Inhaltlich sind die Essays unterschiedlich gut gealtert und stoßen sicherlich nicht bei jedem Leser auf pure Freude. In seinen besten Momenten philosophiert Schirach nicht nur über ethische Fragen zu Sicherheitsverwahrung, Menschenwürde und den öffentlichen Prozessen Prominenter, sondern verschafft auch Einblicke in den Verlagsalltag und sein eigenes literarisches Schaffen. In den schlechtesten Momenten echauffiert er sich peinlich über das immer stärker um sich greifende Rauchverbot oder macht plumpe iPad-Werbung mit großem Verweis auf den digitalen Spiegel.

Für Schirach-Fans, die gar nicht genug von seinen Gedanken haben können, ist es sicherlich ein interessanter kleiner Essayband, in welchem er zum Beispiel auch zum ersten Mal auf seinen Großvater Baldur von Schirach eingeht, der dazumal NS-Reichsjugendführer war. Für einen Neueinsteiger wie ich es bin ist ein anderer Titel zum Kennenlernen von Schirach und seinem Werk aber wohl ratsamer.

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