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Doris Dörrie – Leben, schreiben, atmen. Eine Einladung zum Schreiben

Autobiographisches Schreiben ist für Doris Dörrie nicht nur ein Mittel, um die Vergangenheit festzuhalten. Es ist auch dafür da, das Leben bewusster wahrzunehmen und emotionale Reaktionen zuzulassen. In “Leben, schreiben, atmen” macht Dörrie sich auf die Reise durch ihre eigene Vergangenheit – sie beleuchtet ihre Kindheit, ihre Jugend in den USA, Beziehungen zu ihrer verstorbenen besten Freundin und zu ihrem Mann. Das Büchlein ist also keineswegs eine Anleitung zum Schreiben von Biographien, sondern viel mehr eine Inspirationsquelle in Form einer Biographie selbst. Am Ende jedes Kapitels stellt Dörrie dem Leser Fragen, die ihn an Schlüsselmomente erinnern sollen. Bist du gerne im Dunkeln? Wer war dein Vater für dich? Welche Musik hat dich begleitet? Was der Leser mit diesen Fragen anstellt, ist ihm selbst überlassen. Assoziation und Kreativität selbst stehen hier eher im Vordergrund als die Vermittlung von Methoden. Dies sollte man vor der Lektüre beachten, um nicht enttäuscht zu werden.

Die einzelnen Kapitel selbst sind kurzweilig geschrieben. Manchmal lustig und oftmals traurig springt Dörrie zwischen verschiedenen Abschnitten ihres Lebens hin und her. Als Leser bekommt man eine sehr private Sicht auf Dörries Gedanken und Gefühle, ohne dass die Autorin alles vor einem ausbreitet. Ihre eigentliche Arbeit als Filmregisseurin wird nur ab und an mal aufgegriffen. Dass die einzelnen Kapitel etwas zusammenhanglos erscheinen, ist der Kreativmethode geschuldet, die von Hölzchen auf Stöckchen kommt. Die Maxime ist, zu erinnern, zu schreiben. Der Sinn dahinter ist erst einmal egal. Das Buch bietet sich damit besonders auch für Schreibfaule an, die gar nicht wissen, wie sie überhaupt einen Satz zu Papier bringen können.

Dörrie hat hier eine einzigartige Einladung zum Erinnern erschaffen, die tut, was sie verspricht: Lust aufs Schreiben zu machen. Hätte jedoch ein weniger namhafter Autor mit einem solchen Buch den Sprung auf die Bestsellerliste geschafft? Man wagt es doch zu bezweifeln.

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