4/5,  LGBT,  Rezension,  Science Fiction,  Wichteln 2019

Monica Byrne – The Girl in the Road

Mit meinem Wichtelgeschenk von S, dem Roman “The Girl in the Road”, hat die Autorin Monica Byrne den Tiptree Award 2015 (heute Otherwise Award) gewonnen. Dieser wird an Science Fiction- und Fantasywerke verliehen, die das gängige Verständnis der Geschlechter hinterfragen oder erweitern.

Die Geschichte wird abwechselnd von Mariam und Meena erzählt. Mariam lebt mit ihrer Mutter als Sklavin in Mauretanien, bevor die ca. Achtjährige in den frühen 2020ern flieht und zwei LKW-Fahrer anfleht, sie mitzunehmen. So begibt sie sich gemeinsam mit einer weiteren Reisenden, Yemaya, auf den langen Weg nach Äthiopien.

Meena ist in Indien bei ihren Großeltern aufgewachsen, nachdem ihre Eltern in Äthiopien ermordet wurden. Als sie an einem Tag Ende der 2060er in ihrem Bett von einer Schlange in die Brust gebissen wird, glaubt sie sich von der Terrororganisation Semena Werk verfolgt und flieht von Mumbai über den Trail nach Äthiopien, um die Mörderin ihrer Eltern zu suchen. Der Trail ist ein Schwimmsteg, der sich von Indien bis nach Dschibuti erstreckt und dazu dient, Energie aus Wellen und Sonne zu gewinnen. Ihn zu betreten ist sowohl gefährlich als auch strengstens verboten und dennoch gibt es Gerüchte über ganze Zivilisationen, die entlang des Trails in schwimmenden Städten leben.

Dass Mariam und Meena irgendwie miteinander verbunden sind, scheint klar. Beide reisen nach Äthiopien, beide haben einen Schlangenbiss in der Brust (Mariam wurde von einer Seeschlange gebissen, als sie diese gegessen hat), beide sind psychisch instabil. Meena hat Halluzinationen von einem jungen Mädchen, das sie verfolgt und Mariam spricht zu einer Frau, in der sie ihre ehemalige Reisegefährtin Yemaya wiederzuerkennen glaubt. Doch worin genau die Verbindung besteht, erschließt sich tatsächlich erst am Ende des Romans.

Monica Byrne hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt, doch einzelne Passagen und Elemente haben etwas Unbehagen und ein WTF?! verursacht. Insbesondere Mariam hat ein sehr ungesundes Verhältnis zu Erwachsenen. Beide Charaktere sind jedoch sehr authentisch menschlich, mit guten Eigenschaften ebenso wie Makeln, die sie insgesamt nicht perfekt, aber sympathisch erscheinen lassen. Die beiden Reisen quer durch Afrika und über den Trail sind so gut beschrieben, dass das Kopfkino bestens funktioniert. Wer glaubt, dass ein mehr als 3000 km langer Fußmarsch über das Arabische Meer langweilig ist, möge sich eines Besseren belehren lassen. Insgesamt ist “The Girl in the Road” eine sehr lesenswerte Lektüre, die zum Nachdenken anregt.

4 Küsse

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